
Das Projekt
Von Bischofstein nach Luzern
Zwei Menschen. Eine 3500 Kilometer lange Reise. Gegenwart und Vergangenheit, die zu einer Einheit verschmelzen.
Mit dem Auto fahren Lothar Bernet und sein 50 Jahre jüngerer Nachbar Tom von der Schweiz in den Nordosten Polens – nach Bisztynek, das früher Bischofstein hiess. Hier nahm Lothars Lebensgeschichte 1927 ihren Anfang.
Auf der Reise fängt Tom nicht nur die Bilder der Stationen ein. Er wird in die Gedanken und die tiefsten, vergrabenen Erinnerungen des Älteren hineingezogen – bis er versteht, was damals in Ostpreussen geschah. Doch die Geschichte endet nicht mit der Heimkehr. Sie öffnet sich und stellt die entscheidende Frage: Kann ein Entwurzelter jemals heimkommen?
Hintergrund
Lothars Geschichte
Mitte des 19. Jahrhunderts wandert Lothars Grossvater, der junge Käser Andreas Christian Bernet, aus dem Kanton St. Gallen nach Westpreussen aus. Sein Sohn Hugo baut in Bischofstein, in der östlichsten Provinz Deutschlands, eine veraltete Molkerei zu einem modernen Betrieb um. Eines seiner sechs Kinder ist Lothar.
Die Bernets gelten in Bischofstein als Fremde, als Schweizer. Nach der Machtergreifung Hitlers gerät die Familie in den Strudel des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Im Januar 1945 versucht sie zu fliehen – doch Lothar, sein Vater und ein Bruder werden von der Roten Armee aufgegriffen und ins Arbeitslager 445 in Georgenburg bei Insterburg verschleppt.
Nach Monaten gelingt Lothar als Einzigem die Flucht. Sein Vater überlebt das Lager nicht. Im Juni 1945 erreicht Lothar die Schweizer Botschaft im besetzten Berlin, Ende 1945 überquert er als «Rückwanderer» bei Basel die Grenze – in ein Land, das er nie zuvor betreten hatte. In Luzern beginnt er ein neues Leben.


Der Film
Die Stationen der Reise
- Bischofstein / Bisztynek – die Molkerei des Vaters, die Schule mit dem Fahnenmast
- Trautenau – die Baracke, wo der Albtraum 1945 begann
- Kahlberg / Krynica Morska – Kinderferien auf der Frischen Nehrung, das geplante Fluchtziel
- Grenzzaun bei Kaliningrad – der Blick nach Georgenburg, ins Gefangenenlager 445
- Lossauerberg – der Weg zurück zur Mutter nach der Flucht
- Bahnhof Bischofstein → Frankfurt (Oder) – die Ausweisung
- Berlin, Basel, Luzern – die Heimkehr in ein unbekanntes Land
Der Film
- Dokumentarfilm, Schweiz, 53 Minuten
- Regie: Christoph Imfeld · Musik: tan
- Schweizerdeutsch / Deutsch mit Untertiteln
- Erscheint 2027
Das Buch
Thomas Mathieu erzählt Lothars Leben – Schulzeit, Gefangenschaft, Flucht und die späten Jahre in der Schweiz. Fachlich begleitet von den Historikern Dr. Andreas Kossert, Prof. Leo Schelbert (1929–2022) und Sabine Hofmann.


Warum dieser Film
Eine wenig bekannte Schweizer Fluchtgeschichte
Über das Schicksal der «Heimkehrer» – Schweizerinnen und Schweizer, die Krieg, Vertreibung und Gefangenschaft entkamen und in einer fremden alten Heimat neu anfingen – wissen wir nur bruchstückhaft. Lothars Geschichte steht exemplarisch für viele Fluchtgeschichten von früher und heute. Sie zeigt, dass auch die Schweiz eine gebrochene Geschichte hat, eng verbunden mit der ostpreussischen und deutschen.
Chronik
- 2007 Lothar und Tom lernen sich als Nachbarn in Luzern kennen
- 2010 Tom beginnt, Lothars Lebensgeschichte aufzuzeichnen
- 2013 Erste Reise nach Frankfurt (Oder) und Bisztynek, erste Filmaufnahmen
- 2014 Zweite Reise, Dreharbeiten mit vierköpfigem Team
- 2018 Lothar Clemens Bernet stirbt
- 2020–21 Storyboard, Aufnahmen in Luzern, Rohschnitt
- 2027 Film und Buch erscheinen
Fragen & Antworten
Häufige Fragen
Wer war Lothar Bernet?
Lothar Clemens Bernet (1927–2018) war ein Auslandschweizer aus Bischofstein in Ostpreussen, dem heutigen Bisztynek in Polen. Sein Vater führte dort eine Molkerei. 1945 wurde Lothar von der Roten Armee verschleppt, floh aus dem Lager 445 in Georgenburg und kam Ende 1945 als «Heimkehrer» in die Schweiz – ein Land, das er nie zuvor betreten hatte. Er lebte bis zu seinem Tod in Luzern.
Worum geht es im Dokumentarfilm «Lothar der Heimkehrer»?
Der Film begleitet Lothar Bernet und seinen Freund Thomas «Tom» Mathieu auf ihrer Reise von Luzern nach Ostpreussen: nach Bischofstein, Trautenau, Kahlberg auf der Frischen Nehrung und an die Grenze bei Kaliningrad. Er fragt, ob ein Entwurzelter jemals heimkommen kann. Regie führte Christoph Imfeld.
Wann und wo kann man den Film sehen?
Film und Buch erscheinen 2027. Vorführungen in der Schweiz finden Sie unter «Anlässe»; danach ist der Film auch als Stream auf dieser Website erhältlich. Mit dem Newsletter erfahren Sie als Erste von der Premiere.
Wer waren die Schweizer «Heimkehrer» aus Ostpreussen?
Viele Schweizer Familien lebten seit Generationen in Ostpreussen, oft als Käser und Molkereifachleute. Nach dem Zweiten Weltkrieg holte die Schweiz ihre Staatsangehörigen «heim» – Menschen, die Krieg, Vertreibung und Gefangenschaft erlebt hatten und in einem fremden Land neu anfangen mussten. Über ihr Schicksal ist bis heute wenig bekannt.
Wer steht hinter dem Projekt?
Das Filmkollektiv brainboxfilm aus Luzern mit Thomas Mathieu (Idee, Buch) und Christoph Imfeld (Regie, Kamera, Schnitt). Fachlich begleitet wird das Projekt von den Historikern Dr. Andreas Kossert, Prof. Leo Schelbert (†2022) und Sabine Hofmann.
Wie kann ich das Projekt unterstützen?
Mit einem Beitrag auf der Seite «Unterstützen» – ab CHF 100 auf Wunsch mit Namensnennung im Abspann und im Buch. Stiftungen und Firmen bieten wir Förderpakete ab CHF 5'000 an. Und ganz einfach: Teilen Sie die Website und erzählen Sie von dem Projekt – auch das hilft uns sehr weiter.
brainboxfilm
Das Team
Thomas «Tom» Mathieu
Initiant, Autor des Buches und Lothars Reisebegleiter. Lernte Lothar 2007 als Nachbar kennen; aus der Nähe wurde eine tiefe Freundschaft.
Christoph Imfeld
Regie, Kamera und Schnitt. Begleitete beide Reisen und leitet seit 2013 die Produktion des Films.
Historische Fachberatung: Dr. Andreas Kossert (Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin), Prof. Leo Schelbert (1929–2022), Sabine Hofmann.
Das Projekt unterstützen
Film und Buch erscheinen 2027 – mit Ihrer Unterstützung. Mit einem Beitrag helfen Sie direkt mit. Ab CHF 100 werden Sie auf Wunsch im Abspann und im Buch genannt.
